Hau den Fleischhauer

Der Spiegel-Online-Kolumnist Jan Fleischhauer („Der schwarze Kanal„) ist in den letzten Monaten zum publizistischen Lieblings-Punchingball der (linken) Bloggosphäre aufgestiegen. „Ein erwachsener Mann, der sich aufführt wie ein kleiner Junge“, heisst es beim Spiegelfechgter. Er übertreffe „um Längen die reflexhafte, verknöchert-dogmatische Besserwisserei, die er auf der linken Seite des politischen Spektrums kritisierte“, schreibt Daniel Daffke. m-DiS meint,  Fleischhauer gelänge es „immer wieder so peinlich einseitig zu argumentieren, dass man sich beinahe fremdschämt.“

Diese Kritk ist wohl kaum zu widerlegen, dürfte aber von der SPON-Redaktion und vielleicht sogar von Fleischhauer selber im Grunde gerne gesehen werde. Denn seine Funktion beim Spiegel ist es zuallererst, politischen Krawall zu machen und Aufmerksamkeit zu erregen – genauso übrigens wie sein „linkes“ Gegenstück Jakob Augstein. Der Spiegel will nur eins: Klicks, Klicks, Klicks – und das gelingt bekanntermaßen ziemlich gut. So weit, so normal (und legitim).

Aber Fleischhauer erfüllt darüber hinaus durchaus mit seinen bewussten Provokationen eine Rolle in der deutschen politischen Internet-Öffentlichkeit, die ich nicht nur negativ sehen kann. Obwohl – oder gerade weil – er eigentlich nie recht hat und durch regressives Linken-Bashing motiviert ist, provoziert er eine Menge Debatten. Und Debatten sind nun mal der Rohstoff, von dem eine gute und interessante Bloggosphäre lebt. Da muss es schonmal rappeln im ideologischen Karton, da muss schonmal zugespitzt werden. Das schafft der Mann eigentlich ganz gut – was man nicht zuletzt an der Vielzahl kritischer Blogbeiträge sehen kann.

Nun ist es natürlich nicht per se wünschenswert, das Debattenniveau zu senken und eine virtuelle Schlammschlacht loszutreten. Aber eine etwas höhere Intensität, einen größeren Unterhaltungswert und auch eine Entwicklung hin zum „Mainstream“ würden unserer Bloggosphäre schon gut tun. Denn bislang begnügt sie sich ja damit, sich entweder als linke oder rechte, ideologisch motivierte „Gegenöffentlichkeit“ gegenüber den klassischen Medien zu gebärden (was ja auch völlig in Ordnung ist), oder es werden relativ enge Themen-Nischen und teils, wie bei den Verschwörungstheoretikern, Obskuritäten verhandelt. Mit dieser Strategie aber wird nie die in Deutschland immer noch vorherrschende Dichotomie zwischen professionellen, „echten“ Medien und marginalisierter/fragmentierter Bloggosphäre aufgebrochen werden können.

Was also gebraucht wird, sind interessante Debatten über ideologische Grenzen hinweg zu Themen, die in der politischen Debatte und im Alltag wichtig sind. Erstens, weil Debatten einen Wert an sich haben und eigene Positionen schärfen, und zweitens, weil die Bloggosphäre so attraktiver wird und aus ihrer Nische entkommen kann. Dabei kann so einer wie Fleischhauer schon nützlich sein – als Katalysator und als Punchingball.

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