E10 und die Folgen

Jakob Augstein schreibt über die E10-Debatte:

Es ist nicht jedermanns Sache, beim Tanken den Zusammenhang zwischen brachliegenden Flächen, nachwachsenden Rohstoffen, gerodeten Wäldern und steigenden Nahrungsmittelkosten abzuwägen und das noch mit der CO2-Bilanz und der politischen Lage im Nahen Osten zu verknüpfen. Willkommen in der Wirklichkeit.

Insgesamt findet Augstein die Einführung von E10 allerdings weniger missraten als in den Medien dargestellt. Mag sein.

Ich halte die ganze Angelegenheit für ein Desaster. Aber nicht so sehr, weil ich mir nun unbedingt den Erfolg von E10 gewünscht hätte (ökologisch ohnehin fragwürdig), sondern weil diese Regierung es (mal wieder) geschafft hat, dem Image von umweltpolitischen Maßnahmen langfristig zu schaden. Dabei werden wir in Zukunft natürlich eher mehr als weniger in die Wirtschaft eingreifen müssen, um auf einen nachhaltigen Kurs zu kommen.

Die Macht des Marktes, die ökologische Frage zu lösen, ist zuletzt fundamental überschätzt worden. Die Möglichkeiten der Aufklärung des Konsumenten sind begrenzt. Siehe E10, siehe Dioxin-Hähnchen, siehe Handy-Herstellung usw. Doch wie will diese oder eine andere Regierung ihre Umweltpolitik begründen, wenn sich durch Murks wie E10 in der Bevölkerung eine zynische Haltung zwischen Abwehr, Verschwörungstheorien und Gleichgültigkeit gegenüber umweltpolitischen Notwendigkeiten durchsetzt?

Es spricht nichts dagegen, wenn eine Regierung politisches Kapital investiert in (zunächst) unpopuläre, aber ökologisch sinnvolle Regelungen wie die Ökosteuer, das Erneuerbare-Energien-Gesetz oder die Einführung von Energiesparlampen. Auch eine erzwungene Gebäudesanierung wäre erst unpopulär (die schönen Häuserfronten, die höheren Mieten) aber langfristig auch ökonomisch sinnvoll und daher unumstritten.

Doch E10 hat das Potential, wirklich alle falschen Vorurteile derjenigen zu bestätigen die hinter Umweltpolitik grundsätzlich verborgene wirtschaftliche Interessen vermuten. E10 beschert denjenigen ärgerlicher- und unverdienterweise einen field day, die ökologische Maßnahmen grundsätzlich als sinnlos, teuer und undemokratisch betrachten und von dem ganzen Thema am liebsten nicht belästigt werden möchten.

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