Ein Grund, das Blog ecospin (mittlerweile in AgendaRevue aufgegangen) anzufangen war, dass mich die Themen ökologische Kommunikation und Naturweltbilder im weiteren Sinne interessierten. Dieses Interesse wuchs, als ich für meine Magisterarbeit über Natur- und Umweltmotive in Werbungen recherchierte. Diese Arbeit ist nun, fast drei Jahre nach den ersten Überlegungen und Konzepten, fertig, abgegeben und benotet. Zeit, sie der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Sie steht leicht überarbeitet als creative common zum Download bereit. Die Arbeit liefert meiner Meinung nach einen nicht uninteressanten Beitrag zur Greenwashind-Debatte, indem sie die Aufmerksamkeit von Umweltinformationen in Produktwerbungen auf die visuelle und symbolische Inszenierung von Natürlichkeit und Nachhaltigkeit lenkt. Ich freue mich über Anmerkungen und Rückfragen in den Kommentaren oder per Mail.
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Umweltmotive und die Inszenierung von Natürlichkeit in der Werbung.
Eine empirische Untersuchung von Printanzeigen aus den Jahren 2007 und 2008.
Magisterarbeit von Jan Falk
Institut für Kommunikationswissenschaft
Westfälische Wilhelms-Universität Münster
2011
Abstract
Thematik: Werbungen mit Umweltargumenten werden regelmäßig mit dem Vorwurf des Greenwashings konfrontiert. Oft seien die ökologischen Eigenschaften der Produkte irrelevant oder nebensächlich. Die vorliegende Arbeit argumentiert, dass eine solche Greenwashing-Kritik mit dem Kriterium der Aufrichtigkeit zwar wichtig, aber zugleich auch problematisch ist. So werden In durchschnittlichen Rezeptionssituationen von Anzeigen nur sehr wenige Informationen aufgenommen, Bildern und Symbolen kommt eine erhöhte Bedeutung zu. Zudem ist die Ebene der einzelnen Anzeigen, ihrer (ökonomischen) Effizienz und (ökologischer) Wahrhaftigkeit weniger interessant als die Frage nach einer latenten Beeinflussung des ökologischen Diskurses durch die gesamte grüne Werbewelt. Denn, so wird argumentiert, erst die wiederholte Assoziation von Produkten mit Umwelt und Natur kann Vorstellungen von den Beziehungen zwischen Warenkonsum und Umweltkrise beeinflussen.
Untersuchungsdesign: Die vorliegende Arbeit erarbeitet einen erweiterten Begriff „grüner Werbung“, der neben Werbungen mit Umweltaussagen auch solche Anzeigen berücksichtigt, die Naturbilder und –Symbole verwenden. Denn diese transportieren nicht nur vage Umweltassoziation oder eine Emotionalisierung, sondern darüber hinaus hochideologische Naturweltbilder, die das Potential haben, die materiellen utilitaristischen Beziehungen zwischen Produkten und Umwelt durch romantische oder erlebnisorientierte Naturvorstellungen zu überlagern. Um die rhetorischen Mittel und konstruierten grünen Appeals in kontemporären Werbungen zu erfassen, wurde mithilfe einer quantitativen Inhaltsanalyse Printanzeigen aus den Publikumszeitschriften „Spiegel“ und „Brigitte“ aus den Jahren 2007 und 2008 untersucht. In diesem Zeitraum war aufgrund des aufkommenden Nachhaltigkeits-Trends vermehrt mit grünen Werbungen zu rechnen.
Ergebnisse: Insgesamt wurde fast jede dritte Produktwerbung im Untersuchungszeitraum als grüne Werbung identifiziert. Nur wenige Anzeigen mit Ausnahme der Automobilbranche bedienen sich dabei jedoch konkreter Aussagen zu Umwelteigenschaften. Stattdessen konnten eine hohe Anzahl Anzeigen mit Naturabbildungen nachgewiesen werden – in fast jeder vierten Produktwerbung fanden sich sepektakuläre oder idyllische Landschaften oder andere Naturdarstellungen, unabhängig davon, ob „grüne“ Produkte beworben wurden. Dabei wurden oft Naturerlebnisse konstruiert, indem Repräsentationen des Konsumenten in den Naturmotiven platziert werden. Viele Anzeigen, insbesondere solche für Lebensmittel, Pflege- und Pharmazieprodukte markierten die Waren darüber hinaus symbolisch als „natürlich“. Damit reagierte die Werbung auf die Trendthemen Nachhaltigkeit und Natur mit einem ihrer bewährtesten Motive: Dekontextualisierte und idealisierte Naturbilder finden sich ebenso wie Hinweise auf Natürlichkeit von Produkten schon seit Anfang des 20. Jahrhunderts regelmäßig in der Werbung.
Implikationen: Die Ergebnisse der vorliegenden Arbeit legen eine kritische Beschäftigung mit Naturdarstellungen in der Werbung nahe. Denn es muss vermutet werden, dass die permanente Assoziation von Konsum und Produkten mit Vorstellungen von idealisierter und romantischer Natur insgesamt Aufklärungsversuchen über ökologische Konsequenzen von Konsum entgegenwirkt. Natursymbolik dient der Werbung als ideales Motiv, denn sie kann gleichzeitig Konnotationen von universeller Moral und Legitimität transportieren, ohne von Rezipienten kritisch hinterfragt zu werden. Letztendlich, so wird argumentiert, lautet die heimliche Botschaft grüner Werbungen, unsere Konsumgesellschaft werde nicht etwa angesichts der ökologischen Probleme zunehmend fragwürdig. Im Gegenteil: Es wird ihr eine Aura der Selbstverständlichkeit, ja „Natürlichkeit“ verliehen.

